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Joachim Lottmann: Zombie Nation

Der Mann versprüht feinsten Spott, Jugendlichkeit sowieso, schließlich hat Lottmann (Jahrgang ’58) vor zwanzig Jahren die Popliteratur erfunden, vor allem aber feinen Spott. Weil Lottmanns Vater einst die FDP erfand, Lottmann selbst aber bloß die Popliteratur, hat Lottmann junior einen Komplex, das sagt er ganz offen. Darum hat er das Buch geschrieben: Zombie Nation. Eine Art Ahnenforschung zur Selbsttherapie, die nach der “Jugend von heute” nun die Gerontokratie als Thema entdeckt. Gut für Lottmann, nicht so gut für den Leser.

Lottmann ist Freund (ein Claqueur der schlechteren Hälfte) der Schröder-Republik, wenn er das so auch nie sagen würde, weil er nie etwas “so” sagt, immer anders und wieder anders, “post-ironisch” vielleicht, Spott spottend, und doch klar und deutlich: Da, wo Schröders gut gekleidete, aber vollkommen talentfreie Kulturattachés, die Moritz Rinkes und Albert Ostermaiers, und das Goethe-Institut sich selbst feierten, da wäre auch Lottmann, wenn er nicht ohnehin dabei war, gerne dabei gewesen. Darum widmet er sein Buch dem Altkanzler “und seiner Frau Doris”.

Der schrecklich sympathische Held des Romans, der den Arierstammbaum seiner Familie und junge Riefenstahl-Schönheiten im neu-neuen Berlin studiert, heißt nicht Lottmann, sondern Lohmer, und natürlich ist alles frei erfunden. Doch das spielt keine Rolle. Worauf es ankommt, ist die Haltung, zu den Tatsachen, zur Kunst, dieser genetische Fingerabdruck des Autors in jedem hingeschriebenen Satz. Es gibt Bücher, für die ist das ein Glück. Diesem wird es zum Verhängnis. Denn was den Roman so unerträglich macht, sind nicht die Figuren oder die Handlung, die sind wie sie sind. Es ist das Lottmännische. Es sagt: No limits (but me). Diese Haltung kennt keine Grenzen. Das geht so weit, dass sich der Autor im selbstverfassten Klappentext mit Strindberg vergleicht. Und das ist eben nicht nur sachlich totaler Quatsch, es riecht auch unangenehm nach Egotismus, durch den funkelnden Sprühregen des Spotts hindurch.

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Eine Meinung

  1. Immerhin ist es dem Lottmanner der Nation, nicht nur den Lottermännern, vorbehalten, wie die freiberuflich und selbständig Tätigen in diesem unseren Lande länger als bis zur gesetzlichen Altersgrenze zu arbeiten und damit Geld zu verdienen. Der Rest des Stimmviehs marschiert ins Ehrenamt oder ins Hobbyverlies, falls nicht der Kummer einen vorzeitigen Tod herbeiführt, was bei gesetzlichen Rentenkassen wiederum keinerlei Proteste hervorruft und keinen Aufstand verursacht.Aber halt! Was gab ein gewisser Anthony Quinn über den Jugendwahn von sich? Auch mit sechzig kann man noch vierzig sein -aber nur noch eine halbe Stunde am Tag.Also warten wir es einfach ab, bis unser Lottmann wieder zurück auf den Teppich kommt.Hans KolpakBiß der Woche

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