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Lang lebe Robbe-Grillet!

Als der Vater des Nouveau Roman vor vier Jahren sein Spätwerk “Die Wiederholung” vorlegte, war die Verblüffung groß. Über die Tatsache, dass Alain Robbe-Grillet nahtlos anknüpfen konnte an ein Werk, das 1953 mit “Les gommes” begann, und über ein Buch, das ohne nacherzählbare Handlung auskommt und doch so konsequent ist wie ein antikes Drama, so fesselnd wie ein Krimi und so frisch wie ein …

Wer wissen will, was der Nouveau Roman leistet, der lese erst einmal einen von Robbe-Grillets früheren Texten, das somnambule “Die Jalousie oder die Eifersucht” etwa, auch um zu verstehen, wie bereits der Titel “Die Wiederholung” den Leser hineinzieht in ein Spiel mit Namen, Bedeutungen, Orten und Zeit. Sartres “La nausée” ist nicht weit, der Horror angesichts einer sich entziehenden, durch Sprache nicht mehr erfassbaren Welt, und die Abkehr von den Einheitsfantasien des 19. Jahrhunderts ebenso wie die Bilder der Surrealisten, auf denen die Dinge unmögliche Schatten werfen. Gegen das alte Primat der Tiefe, sagte Roland Barthes über die neue Form, bringe sie die Oberfläche ins Spiel. Einer wie Robbe-Grillet legt eine Topografie lieber in ihren Maßen fest als dass er sie in Adjektiven schwelgend beschriebe. Das stimmt nicht unbedingt froh und manchmal nervt es brutal. Dann wieder will man nur noch sowas lesen, ernüchtert, befremdet sein. Weil die Welt so ist und nicht anders.

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