Startseite | Kino | Cineasten Kolumne | Barbie hat Magersucht – Ein verbotener Film

Barbie hat Magersucht – Ein verbotener Film

Sein Langfilmdebüt Poison machte den damals 30jährigen Todd Haynes zum Shooting Star des amerikanischen Independentfilms. In drei Geschichten erzählte er von Außenseitern, Sex und Gewalt, Themen die sich nicht nur durch seine folgenden Filme Safe, Velvet Goldmine und zuletzt Far from Heaven zogen, sondern auch schon in seiner ersten längeren Arbeit finden. Superstar – The Karen Carpenter Story entstand 1987 und beschreibt in 43 Minuten das kurze, tragische Leben Karen Carpenters, die in den 70er Jahren ein erfolgreicher Easy Listening Star war.

Songs wie Rainy Days and Mondays oder Close to You machten sie nicht nur zu einer Ikone der schwulen Szene - was dass Interesse von Haynes, der dem Camp stets nahe stand, erklärt -, sondern führten gar zu einer Einladung ins Weiße Haus, wo Carpenter für Richard Nixon sang. Solch erfolgreiche Stationen ihrer Karriere zeichnet der Film ebenso nach wie Carpenters lebenslangen Kampf mit der Magersucht und überambitionierten Eltern, der schließlich in ihrem frühen Tod endete, der nie vollständig aufgeklärt wurde.
Dass Haynes dies alles mit Barbie-Puppen nachgestellt hat, wirkt zunächst wie ein bizarrer Einfall, öffnet im Verlauf des stilistisch schon bemerkenswert souveränen Films zusätzliche Subtexte. Schließlich wurde dem Barbie-Hersteller Matell nicht zu unrecht vorgeworfen mit den absurd schlanken Puppen ein falsches Ideal zu präsentieren, dass dem ohnehin grassierenden Schlankheitswahn zusätzlichen Vortrieb leistet. Doch es war nicht Matell die sich gegen den Film sperrten sondern Carpenters Familie. Vorgeblich monierten die Verwandten die nicht genehmigte Verwendung von Songs, man darf aber davon ausgehen, dass die wenig schmeichelhafte Darstellung von Carpenters Umfeld ihr übriges getan hat. So darf dieses außerordentliche Kleinod seit Jahren nicht gezeigt oder vertrieben werden, sind Interessierte auf mehr oder weniger schlechte Bootleg-Kopien angewiesen. Oder eben das Internet. Hier, hier oder hier ist Superstar – The Karen Carpenter Story zu finden. Nicht unbedingt in optimaler Qualität, aber das gibt dem Ganzen ja noch eine zusätzlich subversive Note.

VN:F [1.9.22_1171]
Rating: 0.0/5 (0 votes cast)
Nach oben Scrollen