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Georg Ostrogorsky: Byzantinische Geschichte. 324-1453 (C.H. Beck Historische Bibliothek)

Ständige Kriege verschieben die Machtkonstellation der verschiedenen Mächte. Wenn man sich nicht gerade gegenseitig bekämpft hat das zwei Gründe: Entweder ein taktischer oder aufgezwungener Friedensschluss oder interne Machtkämpfe. Bei allen Beteiligten lenken interne Machtkämpfe regelmäßig von externen Aggressionen ab. Sobald sich jedoch eine interne Fraktion durchgesetzt hat, geht man wieder auf den Nachbarn los. Diese kriegerischen Abwicklungen beschreibt O. in seinem Standardwerk ziemlich detailliert, so dass man diese zum Teil doch sehr seltsam anmutenden Ereignisse ausführlich geschildert bekommt. O. betreibt klassische Geschichtsschreibung auf hohem Niveau. Er konzentriert sich auch auf die traditionellen Themen (Kaiser-, Diplomatie- und Militägeschichte), was zu einem Verständis der weltgeschichtlichen Bedeutung der byzantinischen Geschichte auch notwendig ist. Sprachlich ist das Buch ebenfalls in dieser Sparte angesiedelt, was in regelmäßigen Abständen zu unschönen Bildern führt (z.B. Überflutungs-Metaphorik).
An zweiter Stelle stehen wirtschaftsgeschichtliche und soziale Themenkreise. O. beschreibt sehr ausführlich die ökonomische Basis der byzantinischen Gesellschaft. Stütze war über Jahrhunderte das System der Stratioten (=Soldatenbauern), die als Gegenleistung für militärische Dienstleistungen ein Bauerngut zugewiesen bekamen. Im Laufe der Zeit wich diese effiziente Struktur einem klassischen feudalistischen System. Schließlich nahm der Großgrundbesitz immer zu, ebenso wie die Steuerprivilegien der reichsten Schicht. Die Staatsausgaben wurden immer geringer, womit nicht nur das ökonomische Ende des Reiches eingeleitet wurde.
Es scheint eine Art historisches Gesetz zu sein, dass sich unter gewissen Rahmenbedingungen (signifikante wirtschaftliche Macht von Landbesitzern), ein Prozess in Gang setzt, während dem kleine Bauerngüter von den Großgrundbesitzern einverleibt werden. Einige Zeit gab es in Byzanz eine strikte Gesetzgebung gegen diese Vorgänge, genutzt hat das freilich längerfristig nichts. Die Kulturgeschichte Byzanz’ kommt leider deutlich zu kurz. Zwar streift O. immer wieder kulturelle Aspekte, das reicht aber bei weitem nicht aus, um einen verlässlichen Eindruck von der geistesgeschichtlichen Bedeutung dieses Großreiches zu gewinnen.

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