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David A. Vise: Die Google-Story

Möglicherweise ist es ja auch so: Möglicherweise ist die Google-Story auch nur eine Unternehmensgeschichte wie viele andere. Die Zahlen sind größer, viel größer, das Wachstum atemberaubend, das Produkt ist lässiger als sagen wir Haarnetze, aber Google ist doch und vor allem eine Firma, eine Marke. Und daran, dass die Gründer Larry Page und Sergey Brin sexy sind wie ein altes Paar Socken, können auch die Dollar-Milliarden nichts ändern.

Das Buch soll vor allem eines: David A. Vise und seinen Koautor Mark Malseed teilhaben lassen an einer Geldmaschine. Es hagiografisch zu nennen, wäre glatt untertrieben. Hätten Brin und Page es selbst geschrieben, es wäre kritischer ausgefallen. Weil kein Mensch sich vor aller Öffentlichkeit dermaßen über den grünen Klee loben mag. Nichts daran erscheint als die große Herausforderung, als die es Vise in seiner Danksagung beschwört, vielmehr kommt einem der Text wie ein lax zusammengeschustertes Marketingprodukt vor, dessen eilige Drucklegung kein ordentliches Lektorat zuließ.

Andernfalls hätte jemandem auffallen müssen, dass sich die ersten wie die letzten 50 Seiten, ein Drittel des Gesamtumfangs, ohne viel Erkenntnisverlust überschlagen lassen. Der Text summt vor Redundanzen und einfältigen Formulierungen. Man fragt sich, ob er für erwachsene Leser oder nicht doch für ein von Google gesponsertes Bildungsprogramm für Elementarschüler konzipiert wurde.

In Kapiteln wie “Larry und Sergey” über die Kinderstube der Firmengründer (“Er war ein ganz normaler Junge”) imitieren die Autoren und ihre Übersetzer gekonnt den Stil der Heimatromane der 50er Jahre. Dasjenige über Googles Einstieg in Craig Venters Genom-Projekt scheint in einer Endlosschleife das Wort “Rechnerleistung” zu wiederholen, um zu erklären, was es mit dem Joint Venture auf sich hat und woher das Interesse daran rührt. Mehr kommt nicht rum dabei. Sehr berechtigte Vorbehalte gegen eine allgemeine Verfügbarkeit individueller genetischer Daten werden weggewischt, als hätte Googles PR-Abteilung die Vorlage geliefert.

Etwas informativer sind die Kapitel über das Kernfeature des “PageRanks” und den Börsengang. Das Register ist brauchbar, enthält jedoch vor allem Namen, was Rückschlüsse auf die Natur des Textes erlaubt.

Fazit: Wer Interessantes erfahren will, etwa über Googles merkwürdigen Auftritt im Reich der Mitte, findet mit der Suchmaschine seines Vertrauens ein paar exzellente Artikel zum Thema und greift auf dies Buch nur mit größter Umsicht zurück.

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